06
Juni
2008

Gotha (5. Juni)

Hola, Ihr Daheimgebliebenen!

Ich schreite mit Riesenschritten nach Westen! Heute von Frienstedt, wo ich übernachtet hatte, erst mal 20 Minuten zum Fürstenhof, wo ich früstückte. Dies ist eine Gaststätte an der B.. nach Gotha.

Ich fragte ihn, wieso sie "Fürstenhof" hieße: Das kommt daher, dass einmal ein Fürst hier vorbeigekommen ist, der sich was zugezogen hatte. Er wurde hier gesund gepflegt. Der Fürst erlaubte daraufhin der Gaststätte, die vorher "Zur fetten Gans" geheißen hatte, sich forthin "Fürstenhof" zu nennen. Es ist nicht überliefert, aber ich gehe fest davon aus, der Fürst hat sich dafür "freie Kost und Logis" ausbedungen.

Auf meine Avancen bezüglich der Bezahlung des Frühstückes alternativ den Hausnahmen "Siegfrieds wahrer Kräftequell" zu erhalten, ging er nicht ein. Aber er erzählte mir noch was. Der Kaiser Wilhelm (II) war auch mal da. Die Jahreszahlen schwankten zwischen 1806 (ich tippte auf ein Treffen mit Napoleon) und 19... Beim ersten Termin sind Kanonen abgeschossen worden, beim zweiten wurde was übergeben.

Beim Weiterwandern kam ich an dem Gedenkstein vorbei. Da steht (ich hoffe, ich zitiere richtig): Wilhelm II 1891 1919. Vermutlich gab es 1891 ein größeres Manöver zu Ehren des Kaisers, und 1919 war ja der Erste Weltkrieg schon zu Ende. Hier könnten Spezialisten wie der Schubert Hans(i) mal ein klärendes Wort schreiben.

Beim Weiterwandern kam ich bald an ein steinernes Kreuz am Wegrand, und da stand auch eine Geschichte drauf. Es gibt zwei solcher "Kleinrettenbacher Kreuze" eines südlich und eines nördlich des Ortes. Die Kreuze wurden nach dem 30-jährigen Krieg von den Gemeindemitgliedern als dank dafür aufgestellt, dass: Ja, da standen sich zwei feindliche Heere gegenüber: Eines südlich des Ortes und eines nördlich, und als sie gegeneinander zogen, um sich und nebenbei auch den Ort zu vernichten, brach ein so dichter Nebel herein, dass sich die beiden Heere verfehlten und kampflos aneinander vorüberzogen.

Eigentlich hätten die Soldaten auch noch Dankeskreuze aufstellen müssen. Aber vielleicht habens sie's ja getan.

Weiter geht's Richtung Gotha, das ich gegen 14 Uhr erreiche. Ich habe mich in einer "Pilgerpension" angemeldet, aber auf der Suche danach verfranse ich mich total. Erst bin ich wieder auf dem Weg zurück, bis mich ein netter, juger Herr aufklärt, dann bin ich im falschen Stadtteil, weil ich aus der Skizze im Führer falsche Schlüsse zog. Ein nochmaliger Anruf in der Pension und ich fand sie bald links hinter dem Schloss. Dabei erfuhr ich auch gleich, dass es einen "Brühl" gibt, die vornehme Meile von Gotha und ein rotes(!) Rathaus (Außenanstrich).

Beim ausgiebigen Duschen habe ich festgestellt, dass ich an der Rückseite der Beine, über den Stiefeln unter den gekürzten Hosenbeinen, eine Art Sonnenbrand habe. Muss mich offenbar um solche Körperteile kümmern. Werd's schon noch lernen – hoff' es wenigstens.

Beim Runtergehen von der Pension zum Brühl hab ich mich gleich wieder verlaufen. Die Fürsten haben Gotha offenbar so angelegt, dass feindliche Truppen und damische Wanderer verwirrt werden. Ich hoffe, ich finde nach zwei Weißbier, einem Insalata italiana, Tagliatelle con Fungi, einem Espresso und einem Vino von Montalcino noch heim. Etwas irritiert mich: Das Italienisch hier hört sich eher wie Russisch an! Das wäre was für Mami gewesen.

Nasdrawi Siegfried

Ihr Kommentar

Diese Seite verwendet ein CAPTCHA System. Indem Sie die Zeichen auf dem schwarzen Bild eingeben, helfen Sie SPAM zu verhindern.