Reise übers Meer - Maribo (5. Juni)
Ahoi, ich bin nach Dänemark geschifft!
Mit einem großen Dampfer, ohne Dampf aber mit großen Luken hinten und vorne, die wie Mäuler nach oben aufgehen können. Wenn das Schiff in den Hafen fährt, dann macht es das vordere Maul weit auf, und durch das offene Maul fahren die großen Lastwagen und die kleinen Urlauberautos in den Dampfer rein. Und wenn alle drin sind klingelts auf dem Dampfer, und er fährt rückwärts aus dem Hafen raus und macht langsam das Maul wieder zu. Beim anderen Hafen macht er dann das hintere Maul auf und die Lastwagen etc. fahren wieder raus. Das ist praktisch. Das Schiff hat zwei Münder und gleichzeitig zwei Hintern! Es schaut also hinten wie vorne gleich aus, es braucht sich also auch nicht umzudrehen.
Und damit man weiß wo Dänemark ist, braucht man nur zu schauen, wo die rote Fahne flattert, die durch das weiße Kreuz gevierteilt ist, und wo Deutschland liegt, sieht man an der deutschen Fahne. Und da beide abwechselnd Maul und Hintern sind, gibt's auch nie Streit!
Kleine Wanderer wie ich dürfen natürlich nicht durchs große Maul ins Schiff schreiten, sie schleichen sich quasi wie Ohrenhöhler durch die Ohren rein und auch wieder raus.
Bevors die aufregende Ueberfahrt gab, musste ich natürlich erst zur Fähre kommen, und da ich unter Mühen auf Englisch schon mein erstes Quartier gebucht hatte und der freundliche Herbergsvater des Vandrerhjems mir gesagt hatte, nach 19 Uhr werde geschlossen, war keine Zeit zu verlieren und so raste ich schon kurz nach 8 los und schaffte tatsächlich die gut 9km bis zur Fähre bis 10 Uhr. So war ich um 11 Uhr schon in Rodbyhavn.
Und es war so wie's auf dem Plan ausgeschaut hatte. Schienen, Schienen, Schienen.
Erst lief ich dann in einem Fußgängertunnel Richtung Rodby, weil das das einzige war, was ich verstand, dann, auf einer kilometerlangen Brücke über die Schienen, sah ich plötzlich eine kleine verlassene Strasse dazwischen und mir ging ein Licht auf. Die hatte ich doch schon einmal gesehen! Ja, auf meinem Plan. Und so stapfte ich wieder die Treppen runter und belebte die kleine, einsame Strasse.
Ich war in Dänemark!
Die Strasse, die ich gewählt hatte, lief zickzack Richtung Norden. Aber weg von der Autobahn, die ich von weitem hörte.
Der Wind blies heftig, das Land ist eben und immer mit kleinen Baumgruppen durchsetzt. Später sah ich dass diese Baum- und Buschgruppen meist rechteckig angelegt sind und einen Bauernhof beherbergen. Und das ist schlau, denn zwischen den Bäumen ist es fast windstill, das merke sogar ich beim Vorbeigehen.
So kam ich schließlich nach 18km Wandern auf dänischem Boden in Maribo an. Ein kleines hübsches Städtchen. Die meist kleinen Häuschen sind ziegelrot oder in zarten Farben gestrichen.Mein IPhone wusste den Weg aber ich wollte mein Dänisch anbringen! God aften, sprach ich einen Mann an, und dann fragte ich in Englisch, und der Mann verstand was ich wollte, aber er wusste nichts, er war auch den ersten Tag in Maribo, aber er war Däne und er holte Hilfe bei zwei Damen, die gerade vorbei kamen. Eine davon sprach deutsch und so war ich nach einem netten Gespräch über das Woher und Wohin, bald auf dem Weg, am schönen See entlang, zum Vandrerhjem. Vorher aber beäugten mich die vielen Enten, die auf der abschüssigen Wiese vor der grossen Kirche die Abendsonne genossen.
Das Vandrerhjem war ein großes Gebäude, früher vielleicht eine Schule oder ein Hospital und der große, rotblonde Mann auf nackten Füssen begrüßte mich herzlich und führte mich über einen langen Flur zum Zimmer. Er fragte, wann ich Frühstück wolle, ich stotterte unvorbereitet etwas daher und siehe, am Morgen um halb-acht war kein Mensch da, um acht war der Herbergsvater mit Frau da und heftig tätig und sagte mir, der mit lüsternen Blick um die Ecke kam, "wir haben doch halb-neun gesagt", in Englisch natürlich. So kann man auch Sprachen erlernen: Lernen durchs Tun! Jetzt weiss ich wieder was halbstündig heißt oder nenn' vorsichtshalber nur volle Stunden.
Ich musste mich ins Gästenbuch eintragen und wurde fotografiert und zog wieder weiter nach Norden.
Schnurgerade Strassen aber immer mit Radwegen oder breiten Seitenstreifen, am Ziel habe ich bemerkt, es hätte auch einen schnurgeraden Radweg abseits gegeben.
