Mittag in Løkken
Frilsjøen
Ja liebe Leute, mit dem Senden ist es manchmal schwierig. Am besten geht's unterwegs. So wird Euch auch dieser Bericht Euch erst morgen erreichen.
Gestern waren wir in einem Gästehaus auf einem Bauernhof zu Gast. Außer uns waren noch vier junge Schweden im Haus, die zum Angeln da sind und eine junge Niederbayerin, die spät nach 37km Wandern erschöpft ankam. Ihr könnt Euch vorstellen wie sich unser Kieler Rolf in dieser bayrischen Gesellschaft vorkommt. Da wird oftmals ganz schoen gefrotzelt Aber es tut ihm sichtlich gut.
Jetzt sitz ich am Bahnhof von Løkken, es ist Sonntag etwa Halbeins, auf einem Bankerl. 20m neben mir steht alter Zug mit drei Waggons, zwei in Holz, der mittlere, der Restaurantvogn ist dunkelblau in Stahl. Die kleine E-Lock ist hellgrün und Leute kommen und steigen ein. Der Platz hier heißt Løkken verk, hier gabs also in alten Zeiten ein Eisenbahnwerk. (Lok-Werk) Bruno meint hier wurde Erz abgebaut, ich bin gerade an einer riesigen Seilrolle vorbei gelaufen und einen Foerderturm gibt's auch.
Da heute Sonntag ist, hab ich mir einen Blaetterteikringel geleistet und Grade mit Genuss verspeist. Über das Speisen in der Gruppe werde ich einmal einen besonderen Brief schreiben, falls ich Zeit habe. Ihr merkt schon, es ist zur Zeit schwerer zu schreiben weil die Abende nicht mehr ruhig und einsam sind.
Grade waren Brono und Nico aus dem kleinen Shop gekommen, sie haben Kaffee getrunken und gehen weiter. Ich bleib noch ein wenig sitzen und erzähle euch.
Als ich vorhin zu den Waggons hinging sprach mich einer der jungen Leute in Bahnuniform an und ich sagte "Til Trondheim". Er schuettelte den Kopf. Ich wies auf die Strasse, denn dort geht unser Weg weiter. "Ja Buss" hat er dann gesagt. Seh ich so aus?
Gestern in Meldal haben wir uns alle bei der Kirche getroffen, weils in diesem Ort Minibank und Shop gibt. Da kam eine quirlige Dame und fragte uns ob wir die Kirche ansehen wollten. Ja. Sie wolle wegen des Schluessels schauen und dann war sie weg und kam wieder. Der Schluessel sei nicht aufzutreiben. Sie habe alle möglichen zustaendigen Leute versucht zu erreichen. Sie fragte auch noch mehrere Frauen im Friedhof.
Ich recherchierte bei einem sehr trägen Netz unsere Uebernachtungmoeglichkeiten, denn die vorgesehene Unterkunft war voll, war mir am Telefon gesagt worden.
Wir Befragten natuerlich auch unsere neu gefundene Freundin und nach mehreren Recherchen stellte sich heraus, dass im Bytemuseum eine kleine einfache Herberge stehe. Aber das passte nicht in unseren Plan. Es war ja erst Mittag.
Ich fand beim Anschauen meines Planes einen Eintrag von mir: Campingplatz Frilsjøen. Ich fragte sie ob sie den kenne. Ja, sagte sie, der ist sehr schön und ihre Freundin arbeite dort. Sie hatte die Nummer im Kopf, rief an und reservierte eine Hütte für uns. Ja Leute so geht's, wenn Engel und begleiten. Ich glaube, das war das einzige Mal dass ich in meinen Plänen einen Eintrag zur Übernachtung gemacht hatte der nicht im Fuehrer stand. Dann die fürsorgliche Frau, die die Nummer im Kopf hatte!
Wir kauften noch im Supermarkt ein, da kam sie und sagte, es waer jetzt jemand da, der und die Kirche zeigen könnte.
Dort trafen wir auch nochmals unsere niederbayrische Pilgerfreundin.
Hab ich's schon gesagt? Gestern spätnachmittags hab ich noch im See gebadet, klares Wasser, Kieselboden, und gar nicht so kalt. Und dann war ich noch eine Stunde in der niedergehenden warmen Sonne gelegen.
Heute noch 10km. Und am Mittwoch werden wir vor dem Nidaros-Dom stehen.
Chère Eddi, aujourd'hui c'est un joli joli dimanche. J'ai reçu des saluts de toi. Alors je randonnerai le chemin suivant sur les pieds légers. Je pense à toi.
