Ratzeburg (30. Mai)
Nach einer entspannten, nur etwa 12 km langen Wanderung durch oder am Rande von Naturschutzgebieten, an Seeufern oder unter alten Lindenalleen bin ich schon um 13Uhr in Ratzeburg eingetroffen. Das alte Ratzeburg liegt auf einer Insel im – natürlich – "Ratzeburger See", und so nähert man sich ihm ganz malerisch auf einem Damm unter einer Lindenallee. Rechts grüßt der Dom, gedrungen und wuchtig, rot über das Wasser.
Seedorf bei Zarrentin am Schaalsee (28. Mai)
Heute habe ich auf dem Weg von Zarrentin nach Seedorf ein großes Schild passiert: "Hier waren Deutschland und Europa bis zum 18. November 1989 um 16 Uhr geteilt."
Wie lange ist das her, wie selbstverstaendlich ist das geworden, wie vergesslich sind wir doch alle, wie wenig dankbar sind wir, das erlebt haben zu dürfen.
Wittenburg (27. Mai)
Liebe Leute, seit Dömitz bin ich, wie Ihr alle sicher schon wisst, in Mecklenburg-Vorpommern. Und die Leute reden schon wirklich ein bisschen preußisch – aus der Sicht eines Bayern natürlich. Gestern hatte ich schon ein bisschen Verständigungsprobleme mit dem Kellner, aber mit der netten Bedienung klappte es vorzüglich.
Dömitz (25. Mai)
Ein hübsches Städtchen, das ich nach einer Wanderung durch die Wische ziemlich kaputt erreicht habe. "Wische" nennt sich das ebene Land hinter den Deichen. Es ist fast nur Grasland, so weit man sieht, und irgendwo weit in der Ferne weiden dunkelbraune oder helle Rinderherden. Zäune sieht man nicht, nur um das Ganze scheint ein Elektrozaun zu laufen.
Lenzen (23. Mai)
Ein ganz kleines Städtchen mit einer Burg, deren imposanten Turm man von so weit sieht, dass das kühle Weißbier schon am Gaumen prickelt, und ich dann mit Grauen feststellen muss, dass noch fünf Kilometer zu laufen sind. Das ist so, als wenn ein Wiederauer ein kühles Pils bei der Langmühle stehen sieht, er aber noch vom Rochlitzer Berg aus hinwandern muss.
