5
Oktober
2008

Hornillos de Camino (2. Oktober)

Geschrieben von Siegfried | Kommentare: 0

Das hier ist ein ganz kleiner Ort, eine Strasse, eine Kirche, eine Herberge.

5
Oktober
2008

Burgos (1. Oktober)

Geschrieben von Siegfried | Kommentare: 0

Die ersten sind heute früh schon wieder um sieben Uhr losgezogen, da wars noch stockdunkel. Frühstück gabs weder in der Herberge noch im kleinen Örtchen. Die nächste Frühstücksmöglichkeit ist im 5km entfernten nächsten Ort.

Ich war so gegen 8.00 startbereit, die Sonne war noch nicht sichtbar, aber sie beleuchtete die Kirche beim Weggehen von hinten, denn der Weg führt nach Westen. Ich war allein unterwegs. Es ging wieder an niedrigen Fichten und Eichenwäldern vorbei, dazwischen Felder, einmal durch eine Kuhherde durch, die wiederkäuend mit ihren Kälbern auf der Weide und auf dem Weg stand und lag.
Nach einer Stunde einsamen Gehens ein Dorf: ..... Eine Bar und Alimentacion, da es die einzige zu sein scheint und auch so was wie Obst vor der Türe steht gehe ich hin und schaue. Von innen ertönt der Ruf: Rucksack draussen lassen! In welcher Sprache weiß ich nicht mehr. Der Besitzer des Etablissements war jedefalls Flam und sprach sehr gut deutsch und drinnen saß: Monika, die Südtirolerin, die ich in Honto kennen gelernt hatte. Ihr seinerzeitiger Begleiter ist schon weiter, sie hat Probleme mit den Fersen. Nach einem ausgiebigen Frühstück gehen wir gemeinsam weiter. Bei ihr geht's recht langsam, die Füße tun weh, sie wird wohl den Bus nach Burgos nehmen und dann einen Tag Pause machen.

Wieder über Berghöhen, mit kargem Bewuchs, einem Gipfelkreuz und agressiven Fliegen wie Stierkämpfern – Termino de Atapuerca ist der höchste Punkt, 1060m – geht's wieder runter, wieder weite Felder und nur leicht hügelige Landschaft.

Bald merkt man, dass man sich einer Großstadt nähert. Schließlich kommt der Punkt, wo der Camino zwei Varianten anbietet. Eine längere, aber schönere (vielleicht), eine kürzere, aber durchs Industriegebiet führende. Ich wähle die zweite, will wieder mal zwischen Verkehr, Lärm, Maschinenhallen und Einkaufszentren "meditieren".
Hab nur nicht drangedacht, dass es da keine stillen Ecken für alte Männer gibt, finde aber an einem noch nicht ganz fertigen Kreisverkehr ein bisschen Natur für meine Zwecke, von hinten seh ich sie, die Kreisverkehrler nicht – c'est la vie – und ich bin bereit für die Eroberung von Burgos.

Mein "Engel" Nicole hat mir telefonisch die Herberge genannt, gleich hinter der Kathedrale und ich laufe und laufe und frage 2x, richtig spanisch! Um ja nicht daran vorbei zu laufen.
Schließlich ein reich verziertes gotisches Haus, um sagen zu können wie es heißt, müßte ich meine Bilder ansehen und recherchieren, weil ich's mir nicht aufgeschrieben habe, aber ich sitz hier inzwischen aufm Bankerl am Fluß um 11.h am Morgen schon seit zwei Stunden und hab Karten geschrieben und kitzle das Gerät, dass es das Euch zusendet. Die Anderen sind schon über alle Berge!

Siegfried

Burgos am Morgen, 2. Oktober: Ich sitz immer noch aufm Bankerl und die Holzkanten drücken meinen abgemagerten Hintern und kalt geht's inzwischen auch durch, allerdings ist's nicht mehr so kalt wie in den letzten Tagen. Hab die gekürzte Hose an, Unterhemd, T-Shirt, leichten Cashmere-Pulli und Regenjacke gegen den Wind, kurz noch von gestern: Platz vor der Kathedrale erreicht – "Hallo Siegfried", begrüßt mich ein Engländer, der schon aufm Bankerl sitzt und weist mir den Weg zum Albergo, dann zwei Franzosen, ich fühle mich daheim.

Das Albergo ist ganz neu, von der Diözese und gleich hinter der Kathedrale. Abends gehen wir vier zum essen, auf meine Anregung hin mal echt spanisch, ich kann die Pilgermenüs nicht mehr sehen.
Wir essen gemeinsam 5 verschiedene Platten mit Tintenfisch, Pilzen, Fleisch, Gemüse und trinken Wein. Es war gut und schön, der letzte Abend mit Nicole und Susanne. Nicole muß heim, Susanne muß Pause machen, ihre Füße schmerzen. Ich werde Alessandro anvertraut und am nächsten Morgen, also heute, nach einem gemeinsamen Frühstück und einem rührenden Abschied sitze ich hier allein aufm Bankerl...

Siegfried

5
Oktober
2008

San Juan de Ortega (30. September)

Geschrieben von Siegfried | Kommentare: 0

Wir konnten im Albergo in Belorado auch frühstücken.

Im stockdunklen Zimmer ging das Anziehen und Reißverschlüsse auf und zu machen schon im Dunklen los. Die Türe war gut geschmiert und ging ganz leise auf, dafür quietschte das Schloß ganz fürchterlich wenn man die Klinke betätigte, die jeder automatisch runterdrückte, obwohl die Türe nur angelehnt war, weil sie etwas verzogen war. Auch ich betätigte natürlich die Klinke, nachdem ich im Stockdunklen zwischen Schuhen und Rucksäcken den schmalen Gang zwischen den Stockbetten entlang "geeilt" war. Verlaufen kann man sich da nicht, man muß nur aufpassen, dass man nicht aus Versehen ein Bein oder einen Arm erwischt wenn man die Richtung checkt.
Das wieder in ein Bett kriechen, das zu niedrig zum Sitzen ist, habe ich in der Zwischenzeit raus, allerdings stoße ich manchmal mit dem Kopf oben an, oder renne beim Umdrehen mit dem Ellenbogen an die obere Matratze. Das freut den oberen Schläfer ungemein, meist ist es jetzt Nicole, denn dann hat er mehr von der Nacht.

Zum Frühstück kam ich gestern als letzter, wenn so viel Leute eng aufeinander ihre Rucksäcke packen, gehe ich lieber zum Meditieren ins Klo. Frühstücken tu ich dagegen ausgiebig, auch hier mit Cafe con leche - Milchkaffee - Baguettes und Marmelade.

Unsere Hospitallieros Ines und Peter waren begeistert von uns. Noch nie hätten sie einen so schönen Abend erlebt und noch nie seien die Zimmer so sauber hinterlassen worden. Ich wurde als letzter herzlich verabschiedet und ging um 1/2 9 Uhr aus dem Haus, besuchte nochmals die angrenzende Kirche zu einem kurzen Morgengebet und dachte gleich mal fest an Euch alle.

5
Oktober
2008

Belorado (29. September)

Geschrieben von Siegfried | Kommentare: 0

Nach einem gemeinsamen Frühstück in einer Bar haben wir uns von Ole verabschiedet. Er trifft seine 17-jährige Tochter in Barcelona. Ihm und uns und besonders Nicole fiel der Abschied schwer.

Gestern, gegen Abend waren wir noch in der sehr beeindruckenden Kathedrale.

Heute gings wirklich durch spanisches Land.
Alles karg, Hügel ohne höheren Bewuchs, Felder trocken, abgeerntet, teilweise gepflügt, der Weg eine Kiesstrasse neben der Autostrasse. Aber malerische Dörfer, eine heiße Sonne, die man spürte, wenn der Wind mal nicht blies. Und in der Ferne, grau am Horizont erkennbar, höhere Berge, nicht schroff, weiche Formen, ein Kompromiss zwischen Bergen, der Erde und Wolken, dem Himmel.

Heute bin ich wieder allein gewandert. Meine Freunde sind schon auf und davon. Ich muß immer wieder stehen bleiben und schauen, schnaufen und Fotos machen. Ich fühl mich einfach wohl!

Ich überhole ein paar Mal zwei koreanische Frauen, dann wieder sie mich, ich rede mit einer Münchnerin, die auch unterwegs ist, ich fotografiere einen Mann der gerade Pimentinos räuchert.

Schließlich komme ich doch in Belorado an. Nicole sitzt vor der Herberge, so übersehe ich natürlich den großen Zettel, den sie unter einem großen Stein vor der Herberge auf der Strasse extra für m i c h ! hinterlassen hat, damit ich die Herberge ja nicht übersehe! Aber was hätte sie gesagt, wenn ich den Zettel gesehen hätte, aber sie übersehen?

Eine kleine Herberge der hiesigen Pfarrei, die die Schweizer betreuen. Und gleich werde ich von Ines und Peter auf Schwyzerdytsch aufs herzlichste begrüßt und mit Pfefferminztee bewirtet. Duschen, Wäsche waschen, aufhängen, auch das gehört zum täglichen Leben eines Pilgers immer noch dazu!

Wir, Nicole, Susanne, Alessandro und ich beschließen heute mal nicht ins Restaurant zu gehen, sondern selbst das Abendessen zu machen. Also wird eingekauft. Und nach gemeinsamem Schnitzeln und Braten sitzen wir, Nicole, Susanne, Alessandro und ich, zwei Koreanerinnen, ein Franzose, Vincent, ein junger Engländer, Tim, und die Hospitalieros bei einem gemeinsamen Diner beisammen. Unsere Stimmung ist so gut und die als Magentratzerl verbleibenden Reste so verlockend, dass sich die Franzosen Jean und Francis für unser nächstes "Diner" voranmelden.

Vor dem Dessert sind wir sogar noch kurz in die Kirche geeilt, um auch noch den Pilgersegen von Sechafredo – Siegfried –, dem örtlichen Pfarrer zu erhalten.

Und jetzt lieg ich im Bett, in einem kleinen Zimmer mit 10 Betten, alle schlafen schon tief, oder atmen schon so. Ich war noch auf dem Klo, muß ja schließlich auch mal sein, und suchte im Stockdunklen meinen Weg.

Siegfried

5
Oktober
2008

Santo Domingo de la Calzada (28. September)

Geschrieben von Siegfried | Kommentare: 0

Hallo,

nach einer eher kurzen Wanderung über sehr karges, ein wenig hügeliges Land, mit Weingärten und Äckern, die schon meistens gepflügt und mit Mist gedüngt waren, man merkts an den Fliegen, die hier, entgegen den eher zurückhaltenden Fliegen in Frankreich, auch wie Stierkämpfer auf Nase und Lippen des Wanderers landen, bin ich gegen drei in Santa Domingo de la Calzada eingetroffen.

Da für mich gesorgt wird, hatte mir Nicole schon eine Email zugesandt, dass sie in der Herberge der Mönche (Zisterzienser) untergekommen sei. Ich landete auch dort und schlaf jetzt in einem Zimmer mit einer Münchnerin und einem Schweizer; nach einer Nacht in einem Raum mit 50 Doppelstockbetten kommt einem das wie ein First-Class-Hotel vor.

Aber bevor wir die Betten genießen können noch kurz einen Einblick in das kulturelle Geschehen des Abends:

Erst waren wir – Ole, der Norweger, Nicole, die Deutsch-Schweizerin, Alessandro (Alex), der Spanier und ich – in der Kathedrale, die auch ohne die Hühner, die in jedem Bauernhof genauso aussehen, hier bloss weiß sind, sehr sehenswert ist. Es ist eine gothische Kathedrale mit vielen sehenswerten Details: einem geschnitzten Chorgestühl, an jedem Platz ist eine andere Heilige dargestellt, dem Grabmal des Hl. Domingo, das z.Z. restauriert wird, und einem Altaraufsatz mit vielen geschnitzten, farbig und golden gestalteten Figuren, die Szenen aus der Lebensgeschichte Jesu darstellen.
Auch im Museum waren wir natürlich. Und dann gingen wir essen. Aber weil das ein wenig schwierig war, kaufte Alex in einem "Pralinengeschäft" – die span. Bezeichnung kommt ein anderes Mal – eine Spezialität: Eigelb gestockt, mit Zucker bestäubt, mir schmeckte das gut, Ole mochte das nicht.

Schließlich landeten wir im Restaurant und es gab Linsensuppe oder Maccaroni mit Tomatensauce als Vorspeise und Fisch als Hauptgang, als Nachspeise Melone, Joghurt oder Eis, aber aus dem Becher! Ein echtes Pilgermenü! Übrigens haben wir jetzt eine neue Bekannte: Susanne aus Dänemark! Sie kann ein wenig deutsch. Mehr als ich englisch – und will bis Santiago gehen. Ich werde sie also noch öfters sehen. Ole verläßt uns morgen, er trifft seine Tochter in Barcelona.

Das Licht ist aus, ich muß aufhören.

Jean und Francis, meine französischen Freunde waren auch im Lokal. Ich muß mal wieder unter Franzosen gehen!

Bis Morgen
Siegfried

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